Es war eines Abends, da fuhr Stephan mit seinem Jaguar-Oldtimer so durch die Lande. Plötzlich, da, ein Trabi. Anhalten, raus und der Besitzer stand gleich daneben. Jackpot! Stephan erklärte, dass seine Frau aus ehem. Ost-Berlin käme und unbedingt mal Trabant fahren möchte. Aber der Reihe nach.

Sie ist 1992 mit nur einem Rucksack bewaffnet nach Hamburg gezogen. Ihr Vorhaben nur zwei Jahre zu bleiben wurde schnell zum Dauerwohnsitz. So wie viele, musste Annett damals auf dem Weg nach Tschechien auf der gemütlichen Couch hinten im Trabant Platz nehmen. 1994 machte sie den Führerschein und hoffte nun auf die Pappe ihrer Oma. Doch sie wurde bitter enttäuscht, denn das 26-PS Wunder wurde bereits ein halbes Jahr zuvor verkauft.

Bis zum heutigen Tag wurde ihr also das selber fahren des Duroplastbombers verwehrt – bis heute! Denn Stephan bat uns „habt ihr nicht mal Lust Annett rum zu fahren?“ Klar, haben wir! Also wurde die Trabi-Gemeinde im Dorf kurzerhand zusammen getrommelt und so ging es heute um 11:00 Uhr zu Annett und Stephan. Alle wussten Bescheid; Nachbarn, Freunde und wir. Nur eben Annett nicht. Gut so! Denn als wir den langen Feldweg entlang zum Haus der beiden fuhren, traute sie ihren Augen nicht. Die Freudentränen standen ihr sichtlich im Gesicht. Nach einem kurzen Schnack ging es los. Annett wurde kurzerhand eingewiesen und durfte nun endlich das erste Mal Trabi fahren. Sie war überglücklich. Es war ein ständiger Spagat zwischen „Verdammt, wo war der 3. Gang noch?“ und „Wow, ist das geil!“. Nach einem kurzen Törn zur Zollenspieker Fähre, wechselte sie als Beifahrer in Romans Kübel. Nun konnte sie sich voll und ganz auf das Genießen konzentrieren. Nach rund einer Stunde ging es zurück und es gab bei feinster „Zonenmukke“ noch einen Snack, kalte Getränke und Zweitaktgespräche an den Fahrzeugen. Das Ostschrott Kollektiv überreichte Annett noch als Erinnerung einen Trabant als Modellauto.

Manchmal sind es solche einfachen Dinge, die einem Menschen dermaßen eine Freude bereiten, an die sie sich noch lange erinnern werden. Gern geschehen, liebe Annett!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.